
Der Siebte Sinn – Ein Weg in den Wald
Was, wenn die Menschheit ein weiteres Sinnesorgan besäße?
R.W. Aris entführt in ein hinreißendes Fantasy-Coming-of-Age Abenteuer!
Annja Haping ist optimistisch. Sie spürt ihren Siebten Sinn deutlich, denn er ist die höchste Form der menschlichen Wahrnehmung – magisch, episch! Als sich die Gelegenheit ergibt, reist sie mit ihrer neuen Gefährtin Krita südwärts, hinein in einen gigantischen Wald. Dort schließen die beiden sich der Auenbrigade an und Annja genießt ihre heiß ersehnte Ausbildung über den Siebten Sinn in vollen Zügen.
Doch die Auenbrigade lehrt nicht nur, wie das mysteriöse Sinnesorgan funktioniert oder die hohen Bäume zur Fortbewegung genutzt werden können, sondern muss in einem blutigen Kampf zwischen Schmugglern und Morden vermitteln. Ein Kampf, den Krita eindeutig nicht als ihren anerkennt. Und auch Annja muss sich entscheiden…
Welche Grenzen muss sie wahrnehmen? Wem können sie und ihre neuen Gefährten trauen? Wie funktionieren diese verdammten Kletterdornen? Und vor wem muss Annja ihren Siebten Sinn beschützen?
Coming of Age-Fantasy über Freundschaft, Erwartung und die Suche nach einem Zuhause.
Für LeserInnen geeignet, die fortschrittliche, fantastische Welten mit viel Botanik lieben, externe Konflikte brauchen, aber auch cozy „Ghibli Momente“ voller Ruhe und Alltäglichkeit, sowie Introspektive nicht missen wollen!
Leseprobe
Annja Haping verließ die Hauptstraße, einen hohen Steinbogen im Rücken. Ihre Füße schwitzten. Mittlerweile war es warm genug für dünnere Stiefel als ihre geliebten Pelzbrocken, die ihr bis zur Wadenmitte reichten und Ähnlichkeiten mit dem Kötenbehang eines Pferdes hatten.
Zwischen Altbaufassaden ruhte ein unscheinbares Wohnhaus. Annja huschte seine Außentreppe hinauf und bedauerte die bevorstehenden Höhenmeter. Natürlich wohnten sie ganz oben.
Mit jedem Schritt stieß sie ein Wort aus: »Das. Muss. Überdacht. Werden.«
Die Luft wurde dünner, sie schluckte, das alberne Schmuckband um ihren Hals war deutlich spürbar. Sonnenschein bestrahlte ihren epischen Anstieg von der Seite und ließ ihre Schuluniform durch das brusthohe Holzgeländer glitzern. Eine Trompete erklang, schief und ungeübt, hallte in den Schluchten zwischen den Häusern wider.
Annja stieß einen Lachlaut aus. Das Ganze passte zum Rest des Tages. Sie war schon wieder fast zwanzigmal mitten im Unterricht aufgeschreckt und über ihre Existenz verwundert gewesen. Dass sie lebte. Dass sie hier lebte und atmete – langsam bekam sie ernsthaften Ärger deswegen.
An der Dachgeschosswohnung sperrte ihr Schlüssel, Annja schnaufte und trat kopfschüttelnd ein.
Die Vorhänge waren zugezogen. Kein Geräusch außer das Ticken der gläsernen Küchenuhr war zu hören, neben der ein Gang nach hinten zu einer rotbraunen Holztüre führte.
»Bin wieder da«, murmelte sie und stellte ihre flauschigen Stiefel behutsam in die Garderobe. Jeder sagte ihr, sie seien zu warm, was im heutigen Fall stimmte. Doch grundsätzlich galt, besser zu warm als zu kalt und krank im Bett zu landen.
Zu Mittag gegessen hatte sie schon, also folgte Annja den blanken Wänden geradeaus in ihr Zimmer. Sobald sie im Raum war, zog sie sich das weiße Schulhemd über den Kopf und wechselte es gegen ein kupferfarbenes, das sich perfekt mit ihren Haaren schlug. Auch den engen Halsschmuck tauschte sie gegen eine Kette mit Tellerschnecken-Anhänger, den sie selbst gebastelt hatte.
Annja warf sich in den Schreibtischsessel, ihre volle Tasche glitt mit einem Seufzer den Arm entlang zu Boden. Sie hievte die Hände auf ihren Bauch, lehnte den Kopf an die Sessellehne und hing einen Moment lang wie ein unproduktiver Sack auf dem Stuhl.
Ihre Brust hob und senkte sich unter höchster koordinativer Meisterleistung unzähliger Muskelfasern. Die Schwerkraft drückte auf ihren Körper. Jede Sekunde ihres Lebens zog mit einem kleinen Freundschaftsgruß an ihr vorbei, winkte und verschwand. Annja konnte jede einzelne von ihnen hören. Was tat sie hier?
Unter der Schreibtischunterlage kam eine Liste mit der Überschrift ›Realisationsmomente‹ hervor. Sie setzte einen Strich, der das heutige Tagträumen repräsentierte. Damit war das Blatt voll.
»So, was jetzt?«, fragte Annja eine metallene Pferdefigur am Tisch.
Sie hatte es sich noch nicht überlegt. Etwas musste sich in ihrem Leben ändern, denn wenn die Liste voll war, bedeutete das, dass sie ernsthaft Gefahr lief, aus der Schule zu fliegen, weil sie derart oft abgelenkt war. Sie wunderte sich immer öfter, dass sie überhaupt lebte. Es war surreal und sie verstand, dass es surreal war, wodurch die Irrealität nochmals zunahm. Ein Kreisgedanke, wie sie es nannte.
Der glänzende Einband eines Buches erregte ihre Aufmerksamkeit. Über den Siebten Sinn. Ihre Hand zog es heraus.
›Der Siebte Sinn – Prinzipien und Praktiken‹, war der Titel. Die Vorderseite zeigte eine ausgeblichene Grafik eines Menschen mit leuchtendem Brustbein. Es sah äußerst esoterisch aus. Annja hatte es schon oft gelesen. In dem Buch hieß es, der siebte Sinn äußere sich als Druckgefühl, Wärme oder Bedürfnis. Er war bewusste Intuition und die Königsklasse der menschlichen Wahrnehmung.
»Warum nimmt ihn dann niemand ernst?«, flüsterte sie in die Stille. Niemand antwortete ihr, wobei die toten Augen der gegossenen Pferdefigur am Tisch sie beobachteten.
Über ihren Lungenflügeln kribbelte es.
Die Tagträumerei hatte mit ihrem siebten Sinn zu tun, mittlerweile war sie sich sicher. Was musste sie tun? Das Buch war vage. Niemand in Klaranz konnte ihr eine Anleitung geben, dem war sie bereits nachgegangen. Das gesamte Thema wurde beiseitegeschoben, als wäre es nicht wichtiger als irgendwelche Insekten oder Blümchen, die es eben gab, aber die die Gelder und Diskussionen der Hauptstadt Klaranz nicht wert waren.
Vaskoph San war der angeführte Autor, Akademie Tori.
Tori lag in der Region Irimoto und war für zwei Dinge bekannt: guten Fisch und das Leben mit sowie das Lernen über den Siebten Sinn.
Annja hielt das Buch weiter in der Hand. Es war lediglich eine Einführung, aber dennoch faszinierend. Ihre Finger zogen ein weiteres Papier hinter dem aufgestellten Bild ihres verstorbenen Vaters hervor. Das Reich Kambia war mit seinen Regionen darauf abgebildet. Der Weg nach Tori war schaffbar. Annja war mittlerweile alt genug für ihre Tippelei, die da bedeutete, in eine andere Stadt des Reiches zu wandern, um zu lernen. Viele machten das.
Hinter einer üppigen Missionarspflanze zupfte sie ein weiteres Blatt Papier hervor. Das Aquarell einer gigantischen Mauer an einem Flusslauf mit dichtem Uferwuchs sah ihren sehnsüchtigen Augen entgegen. So sah es in Tori aus.
Aufregendes Kribbeln kitzelte sie, ein Druckgefühl blieb.
Sie saß noch immer in ihrem Zimmer, hatte bisher keinen einzigen Arbeitsauftrag erledigt und die Sonne sank tiefer Richtung Horizont. Unruhe schob das Druckgefühl beiseite.
»Was mache ich hier?« Ihre Finger fuhren ineinander. Die Pferdefigur antwortete nicht. Niemand antwortete. Nichts würde passieren, wenn sie selbst nichts tat. Ein Gefühl drängte sie dazu, aufzustehen.
Heute. Die Liste war voll. Worauf wartete sie noch? Sie zog ihr Hemd straff und drehte sich zur Tür.
Im Flur war es dämmrig. Annja schlich auf Zehenspitzen in Richtung Wohnungstüre. Wenn sie zumindest einmal mit Reisenden sprechen könnte, wäre es schon leichter, das Ganze besser einzuschätzen. Irgendetwas musste passieren.
Ein Poltern ertönte. Annja zuckte ertappt zusammen. Man hatte sie gehört. Schnell schlüpfte sie hinter die Theke der Küche, den Blick zur Wand gerichtet.
»Schon fertig mit den Aufgaben?«, fragte eine kraftlose Frauenstimme.
»Mmmhh, so gut wie«, log Annja und zerteilte hochkonzentriert einen Apfel. Unbehagen verdrängte ihre Euphorie. Sie drehte sich nicht um und die andere kam nicht näher.
»Gut.«
»Ich habe vor, ein bisschen rauszugehen. Nicht weit, nur zur Gartengasse.« Annja musste darüber informieren, auch wenn sie es hasste. Das Messer zerschnitt zum zwanzigsten Mal dieselbe Apfelscheibe. Dazu mischte sich das Ticken der Glasuhr und Annjas Puls.
»Da treiben sich aber keine Leute rum, die ein Umgang für dich sind.« Ihre Augen schlossen sich. Natürlich.
»Ich möchte aber trotzdem raus. Vielleicht mal wieder zu den Pferden hinunter –«
»Nein.«
Wasser prasselte auf das Metall der Spüle wie Kugelhagel. Von ihrer eigentlichen Idee, der Tippelei, zu erzählen, war keine Option. Undenkbar. Ihr Herz schmerzte, als bekäme es zu wenig Luft. »Nein …«, wiederholte sie.
»Es gibt keinen Grund, warum du rausgehen solltest.«
Annjas Zunge befeuchtete ihre Lippen. Sie wollten etwas entgegnen, doch es wäre sinnlos. Sie war immer im Unrecht, ihre Mutter fand immer einen Fehler.
»Da ist doch dieses Restaurant? Keine gute Idee.«
»Ich möchte aber raus.« Sie drehte sich um, den Rücken zur Wand. Ihre Hände hielten sich an der Theke fest. »Vielleicht mit jemandem reden. Ich habe mir nämlich überlegt –«
»Du gehst nicht in dieses Lokal, Annja! Da sind nur Besoffene, Rumtreiber und Kerle, mit denen eine junge Dame nichts zu tun haben möchte!«
Die Wut schnitt tief, Annjas Finger zitterten.
»Wie kommst du auf so einen Schwachsinn?« Verachtung lag in der älteren Stimme. »Geh wieder in dein Zimmer und tu, wofür du da bist.«
Ihre Augen waren feucht, die Hände zu Fäusten geballt. Was sie wollte, war vollkommen egal. Im Augenwinkel sah sie den erwartungsvollen Blick der Frau und wusste, dass sie mitspielen musste:
»In Ordnung.« Dafür hasste sie sich. Die Hand mit dem Messer glitt zittrig in eine Lade. Fast widerwillig ließ Annja es los, es gab ihr für einen kurzen Augenblick das Gefühl von Macht und einer Wahl.
Jetzt war sie vollkommen bescheuert.
Wieder entstand Stille und vereinnahmte den kleinen Raum, bis man sie schreien hören konnte. Fußsohlen quietschten.
»Dort ist es nur laut und es stinkt.« Damit zog sich die Frau in ihr Zimmer zurück.
»Mag schon sein«, murmelte Annja in sich hinein. »Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen?« Sie blinzelte heftig, verließ ebenfalls die Küche und kam in den Gang.
Es war nicht logisch. Eigentlich war es nicht logisch, hierzubleiben. Ihr Blick hing an der Eingangstür, den Schlüssel im Schloss.
Sie sah zu ihrem Zimmer zurück. Plötzlicher Trotz packte sie. Kopfschüttelnd schnappte sich Annja Stiefel, Mantel, Geldtasche und Haube, öffnete die Tür und trippelte ohne ein weiteres Wort die Stufen des Wohnhauses hinunter.
In den Straßen der Stadt standen die Gebäude Schulter an Schulter nebeneinander und dösten wie verschlafene Riesen. Annja sprang um eine Kurve, ihr Rücken klatschte gegen die Fassade, sodass es wehtat. Sie rieb sich die Stelle und richtete sich auf.
Das Gefühl, nicht hier sein zu dürfen, machte sie verrückt. Es war lächerlich, das hier war nur ein Spaziergang! Die Menschen spazierten andauernd. Ihr Kinn hob sich. Niemand verfolgte sie.
Der gepflasterte Weg führte geradeaus auf einen Holzzaun zu.
Testleser*innenstimmen
Super spannende Abenteuer-Story mit starkem Worldbuilding. Alle vier Hauptcharaktere bringen eine ganz eigene Perspektive mit sich, wodurch man die Welt des Siebten Sinns mit all ihren schönen und weniger schönen Seiten erleben darf.
— Lilith
Die Atmosphäre des Buches ist grandios, eine perfekte Mischung aus Witz, Neugierde und Emotion. Die Beschreibung der Natur ist einfach nur wunderschön, manche der Orte würde ich am liebsten selbst besuchen können. Mich persönlich hat vor allem der Schreibstil fasziniert, selten hatte ich so klare Bilder im Kopf.
— Verena
Ein Fantasybuch über vier junge Leute, die in einer magischen Waldwelt ihren Weg suchen. Es geht um Freundschaft, neue Ideen, Chaos im Kopf – und darum, wie man herausfindet, wer man eigentlich ist. Voller Gefühl, spannend und echt irgendwie. Perfekt für alle, die gerade selbst auf der Suche sind.
— Jasmin
Der erste Band einer Trilogie
In der Reihe ›Die Abenteuer des Siebte Sinns‹ folgen die Leser*innen mehreren Charakteren in ihre fantastische Welt, um sie bei der Suche nach ihren persönlichen Lebenswegen zu begleiten. Die Coming-of-Age-Geschichte wird mit Annja und ihrem Drang eingeleitet, mehr über den Siebten Sinn zu erfahren – der höchsten Form der menschlichen Wahrnehmung. Dabei lernt sie Krita, Nari, Elias und viele weitere Charaktere sowie deren individuelle Ziele kennen. Diese decken sich anfangs ganz und gar nicht mit Annjas Vorstellungen, bis ihre Freundschaft sie näher zusammenbringt.
Fragen nach Verantwortung, eigenen Grenzen und dem inneren Kompass werden im ersten Band der Trilogie angeschnitten. Gleichzeitig lockern alltägliche Comedy-Elemente und Sequenzen des Einfach-Mensch-Seins die Stimmung auf.

Schlagworte:
Coming of Age-Fantasy, New Adult-Coming of Age, Ghibli Vibe, New Adult-Fantasy, Fantasie mit Tiefgang, Fantasie mit Humor, Fantasy mit Freundschaft
Preisaufschlüsselung
für Interessierte

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